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Hier gibt es Wander- und Bruderhahneier

Wadgassen. Im Hofladen des Biobetriebs Comtesse gibt es Kartoffeln, Mehl und Eier von Hennen, die in mobilen Ställen über die Wiese wandern.

„Die Setzkartoffeln, die sie mir im Frühjahr gegeben haben, waren toll! Von fünf Stück hatte ich einen Ertrag von vier Kilo!“, freute sich der ältere Kunde. „Dann haben sie aber bestimmt gut gewässert“, stellte Dagmar Comtesse-Wald lachend fest. Denn obwohl der Geschmack der Kartoffeln in diesem Jahr richtig gut sei, habe der Ertrag aufgrund der Trockenheit doch zu wünschen übrig gelassen.

Der Hof von Marcus und Dagmar Comtesse in Wadgassen ist einer der ältesten Biolandhöfe Deutschlands. Gegründet von Marcus Comtesses Vater Friedrich in den 60ern. „Ja, ich bin praktisch in den Bio-Kartoffelanbau hineingewachsen“, sagt Comtesse-Junior. Denn Mitte der 1960er, gerade als der kleine Marcus das Licht der Welt erblickte, hat Vater Friedrich sich im Nebenerwerb mit einer kleinen Landwirtschaft selbstständig gemacht. Als kurz darauf dann der Begriff „Bio-Anbau“ von der Schweiz nach Deutschland durchsickerte, war es für ihn keine Frage: wenn Landwirtschaft, dann Bio. So hat er seinen Betrieb bereits 1975 umgestellt. Auch wenn damals in Deutschland kaum jemand wusste, was hinter dem Begriff „Bio-Anbau“ steckte und Comtesse gerade mal einer von weniger als 100 Bauern im Verband war. Zum Vergleich: Heute hat Bioland mehr als 8000 Mitglieder. Marcus Comtesse jedenfalls erinnert sich gut daran, dass der Vater zur Schulung in die Schweiz gefahren ist, weil es hier keine Fortbildungen gab. „Die Umstellung konnte sich mein Vater damals allerdings nur leisten, weil er parallel auf der Hütte gearbeitet hat“, sagt er. Denn in den Anfangsjahren des Biolandbaus habe man eine Familie mit der Bio-Landwirtschaft oft nicht ernähren können, dazu sei der Markt einfach zu klein gewesen.

Comtesse und seine Frau pflanzen heute überwiegend Marktfrüchte an, die sie dann auch größtenteils direkt auf ihrem Hof vermarkten: Getreide wie Dinkel, Weizen, Roggen und Hafer beispielsweise, die frisch geflockt werden, verschiedene Mehle, und rund zehn verschiedene Sorten Kartoffeln. „Unsere roten Kartoffeln zaubern hübsche rote Farbtupfer in den Kartoffelsalat“, sagt Comtesse. Dazu gibt es das Leindotteröl, eigene Nudeln und Senf aus eigenem Anbau. Und auf Bestellung Brot, das Comtesse Schwester Eva Schales in ihrer Biobäckerei aus dem Korn des Bruders zaubert.

Die Comtesses bauen auch Buchweizen an. Dieser soll jetzt geerntet werden, falls die Witterung es zulässt. „Damit bekommen die Bienen Futter bis in den Herbst hinein“, sagt er. Den Honig vom benachbarten Imker gibt’s bei ihnen ebenfalls. Und „Wanderhuhneier“, ein Begriff, den Comtesse sich vor einigen Jahren hat schützen lassen. „Wanderhühner“ deshalb, weil die Tiere mitsamt ihren mobilen Ställen über die Wiesen wandern und so, zumindest im Sommer, immer frisches Grünfutter zur Verfügung haben.

Dabei bietet Comtesse eine Besonderheit an. Das „Bruderhahnei“ wird von Hennen gelegt, die zwischen roten und weißen Hybriden gekreuzt wurden. Bei der Aufzucht werden die männlichen Küken nicht gleich getötet, sondern großgezogen. Natürlich baut Comtesse das Futter für seine rund 500 Hühner auch selbst an. Denn: „Das Futter ist entscheidend für den Geschmack des Eis.“

Lange hat der Landwirt seine Felder in der vom Vater überlieferten „klassischen“ organisch-biologischen Art und Weise bebaut. Seit 2004 ist er allerdings zum Mischfruchtanbau übergegangen. „Durch diesen Mischfruchtanbau kann ich die Synergieeffekte zwischen den einzelnen Kulturen nutzen“, erklärt er. Beispielsweise erhält das Korn eine Untersaat aus einem Kleegrasgemenge oder aus Leindotter.

Eine Weiterbildung hat Comtesse 2014 den Anstoß zur „regenerativen Landwirtschaft“ gegeben: „Diese bedeutet, dass während der Produktion massiv Humus aufgebaut wird.“ Er habe auf seinen Feldern nach fünf Jahren regenerativen Anbaus rund dreieinhalb bis vier Prozent Humus aufgebaut, während in der konventionellen Landwirtschaft mit einem Humusgehalt von teilweise unter einem Prozent gearbeitet werde. Kernstück des Humus-Aufbaus ist eine wintergrüne Zwischenfrucht, die in der Regel aus fünf oder sechs verschiedenen Komponenten bestehe. „Je mehr, desto besser.“ Im Frühjahr wird dann lediglich die obere Schicht ganz flach eingearbeitet. „Dadurch wird der Boden stabilisiert. Die Wurzeln der Zwischenfrucht dienen auch als Erosionsschutz und ermöglichen ein besseres Eindringen von Wasser.“

Der Hofverkauf auf dem Comtesse-Hof im Borrgarten 3 in Wadgassen ist dienstags von 9 bis 13 Uhr geöffnet und freitags von 14 bis 18 Uhr, sowie nach telefonischer Vereinbarung unter Tel. (0 68 34) 4 38 80.

Alle Serienteile finden sich zum Nachlesen im Internet:
www.saarbruecker-zeitung.de/feines-aus-der-region/

Quelle: 31. Oktober 2020, Saarbrücker Zeitung, Alexandra Broeren
Foto: Alexandra Broeren

 

 


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